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1997 Chlodwig Poth
1999 Robert Gernhardt
2000 Gerhard Polt
2001 Harry Rowohlt
2002 Marie Marcks
2003 F.W. Bernstein
2004 Emil Steinberger
2005 Otto Waalkes
2006 Hans Traxler
2007 Ernst Kahl
2008 Biermösl Blosn
2009 Helge Schneider
2010 Olli Dittrich
2011 Josef Hader
2012 Franziska Becker
2013 Michael Sowa
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2016 Max Goldt
2017 Gerhard Gläck
2018 Pit Knorr und Wiglaf Droste
2019 Gerhard Haderer
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Gerhard Polt

Laudatio für Gerhard Haderer

Als unser Sohn in der Grundschule eine Art Milbe auf sein Zeichenblatt malte und behauptete, das sei die Heilige Elisabeth, waren meine Frau und ich doch verunsichert ob das den Zeichenlehrer überzeugen würde, denn der Sprung von dieser heiligsten aller Heiligen zur Milbe schien uns doch gewagt. Der Religionsunterricht hatte unseren Sohn aber allem Anschein nach zu dieser Darstellung inspiriert. Der Zeichenlehrer hatte natürlich eine andere Kreation erwartet, und obwohl nie ein Mensch diese "Wunderbare" jemals zu Gesicht bekommen hat, haben ihr über die Jahrhunderte Maler, Zeichner und Bildhauer aller Stilrichtungen von der Romanik über Gotik zum Barock etcetera ein menschliches Aussehen verliehen. Und auch heute noch wirkt sie postglobal. Nur als Milbe ist sie meines Wissens nach nie vorher in Erscheinung getreten.

Dem Zeichenlehrer jedoch war es sichtlich peinlich, daß wir Eltern mit einer solchen infantilen Genialität kein Problem hatten, denn die Frage, -was erkenne ich als was - und - was bleibt mir verborgen -? ist mir eigentlich schon eine Stufe zu hoch. Daß Menschen Abbilder einer möglichen oder nur nebulösen Realität erschaffen, und diese dann als überirdisch oder auch unterirdisch bewerten, mit diesem Phänomen muß man umgehen lernen, obwohl es ziemlich vertrackt ist.

Wenn im Zirkus ein Trapezkünstler in der Luft schwebt, dann ist dieses Schweben für den Zuschauer gefühlt eine lange Zeit, und man wird diese Zeit gewiß nicht mit einer Stoppuhr messen.

Wenn der Gerhard Haderer die Frau Merkel schweben läßt, dann schwebt sie eben und sie schwebt, selbst wenn es eigentlich kaum vorstellbar ist, daß diese respektabel gewichtige Frau schwebt. Haderers Zeichnung zeigt wie sie schwebt, und durch das wie sieschwebt, hat mir die Kanzlerin zu meiner Vorstellung von Realität verholfen. Weil diese Frau schwebt, ist sie real und die Realität wäre kaum eine, wäre sie nicht komisch. Ich frage mich, ist dann nicht die Komik und die Lächerlichkeit die Norm, und das Seriöse nicht ein fauler Trick um der Realität zu entkommen?

Der David in Florenz in Florenz ist ästhetisch, sagt man, - pico bello. Aber mir ist er fad, weil unecht, starr und schön. Schöne Menschen findet man beim Haderer eher nicht, aber echte, reale Ulrichs aller Varianten und da die Gattung Mensch sich eh fürs Lächerliche eignet, nicht zuletzt weil ein Zweibeiner von Haus aus patschert ist, verglichen mit der Geschmeidigkeit eines Schneeleoparden.

Viele Menschen verdanken ihre Erkennbarkeit der Tatsache, daß sie irgend einem Animal ähneln. Ich und viele andere, wir amüsieren uns, wenn wir in einem gegenüber einen Karpfen, eine Fledermaus oder ein Pantoffeltierchen zu erkennen glauben. Schön sein ist zwar in, aber Schiachheit, wie sie mit Eitelkeit geschmückt unsere Plätze und Medien bevölkert, verschafft unseren schweren Herzen immer Erleichterung und Freude, und Gerhard Haderer ist unser großer Mäzen. Für mich ist es Realität wenn Schiachheit nicht nur Unvollkommenheit und Deppertsein zeigt, sondern eine große philosophische Dimension eröffnet. Nestroys Satz, - der Mensch an sich ist gut, aber d' Leut san a Gschwerl - hat einen festen Platz in meinem Hirn. Wenn sie an einem Ort edle Menschen sehen wollen, dann gehen Sie aufs Oktoberfest und leisten sich eine Eintrittskarte in die Geisterbahn. Erst danach wird ihnen Angst und bange, wenn sie im Bierzelt all diese sich selbstverwirklichenden Menschen sehen. Sind sie real oder nicht? Ich kenne sogenannte echte Deutsche oder auch wahre Finnen. Aber Haderers Menschen sind mir lieber, weil sie wahrscheinlich sind oder unwahrscheinlich möglich. Mich beruhigt, daß ein Kraftfahrer ein Mensch sein kann, auch ein Radlfahrer. Sie sind welche von uns und wir halten zu ihnen auch mit 3 Promille im Blut. Deshalb kein Zweifel, - die Hl. Elisabeth kann auch eine Milbe sein und du lieber Gerhard zeigst uns dieses Menschenbild in dem das Schiache tröstet weil es uns lachen läßt über die Aussichtslosigkeit schön zu sein. Die Vergeblichkeit hat eben etwas ungemein Humanes. Lebe hoch Du Prachtexemplar unter uns Elchen!