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1999 Robert Gernhardt
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2002 Marie Marcks
2003 F.W. Bernstein
2004 Emil Steinberger
2005 Otto Waalkes
2006 Hans Traxler
2007 Ernst Kahl
2008 Biermösl Blosn
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2011 Josef Hader
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2013 Michael Sowa
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Leo Fischer & Torsten Gaitzsch

Laudatio auf Eugen Egner

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Festpersonen, liebe Quadranten, Quasare und Quasiten. Wir sind heute hier zusammengekommen, mehr schlecht als recht und intellektuell eher unbehaust - die Frage ist: warum?

Der Göttinger Kreisanzeiger sieht es so: Eugen Egner, Universalgelehrter und Genie aus Wuppertal, wollte sich heute hier manifestieren, einige Gelehrsamkeit zum Besten geben und dann einen Sack voll Geld mit nach Haus nehmen.

So ist es Brauch.

So ist es Brauch! Freilich nicht für Eugen Egner, der durch diverse metaphysische Fährnisse unfähig ist, Wuppertal zu verlassen; wir haben es heute mit einer ektoplasmatischen Projektion zu tun, die uns direkt in den Sehnerv gelasert wird, mit einer Verzögerung von lediglich drei Stunden. Eugen Egner sitzt in einem Strahlungsapparat in seinem Barmener Verschlag und produziert die hier wabernde, eher grobkörnige Manifestation.

Also eigentlich ist das hier alles komplett sinnlos.Wir wollen aber trotzdem, wie es unser Vertrag vorsieht, mit einer Anekdote über den Künstler einsteigen, der Anekdote vom elektrischen Instrument. Und zwar war das so.

Stopp, stopp, stopp, da muss ich gleich mal einhaken.

Danke, ich hätte sonst nicht an mich halten können.

Füglich. Der Apparat, um den es hier gehen mag und von dem also die Rede ist, war vom Vater gestiftet, Vater Egner, einem Mann von beachtlichen Gaben und Namen. Er wohnte in einer Lokomotive mit angeschlossener Frisierstube, wo er als eine Art Bruder Lustig oder Tunichtgut zum Ambiente beitrug.

Stimmt, jetzt weiß ich es auch wieder.

Aber anders als ich. Ein fahrender Musikant hinterließ eines Tages nach dem Frisierbesuch ein elektrisches Instrument. Es war vom Finanzamt nicht zugelassen, aber das hinderte Vater Egner eh nur selten. Er erinnerte sich, dass er einen Sohn hatte, und wusste gleichfalls, dass Söhne Geschenke brauchen, sonst vergehen sie.

Oder, noch schlimmer: landen in Frau Suses Heilanstalt für Nervenkranke.

Vater Egner, seines eigenen Sohns dergestalt gewahr, wusste selbigen seit geraumer Zeit unbeschenkt, und so, nicht dumm, trug er das Gerät zum kleinen Eugen, der es auf der Stelle frohen Mutes elektrifizierte.

Hier machte es sich bezahlt, dass er den Leistungskurs Wechselstrom belegt hatte!

Die Elektronen flogen nur so aus ihm heraus und polarisierten die Saiten der Klampfe aufs Äußerste!

Das Finanzamt musste ihn jedoch verraten haben, denn noch vor der großen Terz sah der zuvor so zufrieden grunzende Vater Egner, wie sein Sohn spasmisch zu psalmodieren begann!

Graus! Graus! Graus!

Die Schaltung drohte, Jung-Egner in den Stromkreis hineinzuziehen! Und auch der Teppich nahm Schmorschaden!

Doppeltes Ungemach!

Old Egner nahm seinen patentierten Bergmann-Besen und stieß ihn ohne zu zögern in den Sohn!

Die Elektronen nahmen den Kampf auf!

Pardauz!

Wer sollte stärker sein? Besen oder Buchse?

Jung-Egners Bewusstsein war währenddessen im Stromkreis gefangen, kommunizierte mit höheren Mächten!

Es ging um mehrere tausend Ampère!

Den Krach, der dabei entstand, kann man sich vorstellen.

Schon war sein Geist im Gleichrichter gefangen, nur für Elektriker wahrnehmbar. Sein junges Gesicht spiegelte sich auf den Knöpfen des Sicherungskastens!

Bestürzt nahm er war, dass er binnen Sekunden um fünf Jahre alterte! Jeder Besenhieb seines Vaters indes verjüngte ihn wiederum, so dass sich alles die Waage hielt und letztlich gleichgültig war!

Oh Mysterium, oh Geheimnis!

Der ganze Vorgang dauerte nur wenige meßbare Augenblicke! Nach Angaben der Stadtwerke jedoch real zehn Jahre.

Die Rechnung war teilweise enorm.

Nicht nur teilweise! Jedenfalls kam Eugen Egner fertig ausgebildet aus der Steckdose zurück, mit dem Wissen um Strahlungen, Salbungen und jeglicher Arzenei!

Dann setzte er eine Kanne Kaffee auf, musste aber ausziehen, bevor er sie trinken konnte.

Es waren andere Zeiten!

Nämlich fast fünf Uhr!

Daran musste ich vor kurzem wieder denken, als ich durchs Böhmische fuhr, einen Riesen zu erschlagen.

Seine Feindschaft gegen alles Elektrische wie auch den elektrischen Berufsstand sollte er niemals ablegen, vice versa genauso. Davon zeugt nicht zuletzt seine Symphonie: "Die Taschenlampenbatterie”, die wir Ihnen jetzt in Auszügen vortragen werden.

Exeunt.

Gabi, matt: O Elektrikerstand, unheilvoller! Wie ihr die Kabelung an jedem Brandschutz vorbei gelegt. Ich brauche einen Claudius, mich zu erden!

Der Chor, ebenfalls matt: Erdet sie, oh erdet sie! Erde, wer Erde gebiert!

Claudius, kommt herein, mit einem Elektron bewaffnet: Wo ist der Gleichrichter? Er muss verschalt werden!

Gabi, weiter ermattend: Claudius, ich bin enterdet!

Szenenapplaus, Vorhang.

Niemand, der klaren Sinnes ist, kann hier etwas anderes als ein frühes, wenn auch letztes Meisterwerk erkennen.

Zumal die zugehörige Klaviatur vollständig der Kohlenstoffwelt entstammte.

Enorm!

Anorm!

Gleichwie.

Wechselwie.

Heute lebt Eugen Egner in einem halben Haus, isst Halben Hahn, macht Halbe Sachen.

Da ist er wieder, der dualistische Gedanke.

Derer zwo! Energie gewinnt Eugen Egner mittlerweile vollständig durch Nachdenken.

Er hat mehrere Geheimnisse durchdrungen, alle Rätsel der Magie und Alchemie hat er gelöst.

Wer kann ihn noch herausfordern? Wer ihm die Stirn noch bieten?

Ist einer in diesem Saal, der es wagte! Nein?

Dachten wir's uns!

Ihr seid es nicht wert, ihm das Brot zu pfeffern!

Niemand pfeffert ihm das Brot! Er hat kaum welches!

Denn bescheiden geblieben ist er, von Äon zu Äon, von Säkulum zu Säkulum.

Trotz vieler Bücher und Zuschriften!

Trotz der Kolumne im Badischen Bergmanns-Blatt!

Trotz der Herausgeberschaft der beliebten Mäppchen- und Krokodilcomics!

Trotz der Verfilmung seines Hausarztes!

Und trotz BRAHMS, ((gemeinsam)) DER SAU!

Aber greifen wir nicht vor. Ich möchte vielmehr etwas Persönliches berichten.

Ich erinnere mich an deine Persönlichkeit.

Herr Egner kam eines Tages zu mir, legte mir die Hand auf die Stirn und sagte: Ich muss laudiert werden, gebt mir Laudanum. Ich ekle mich unaussprechlich vor dem Laudiertwerden! Aber die Obrigkeit wird anwesend sein.

Das war vor einer halben Stunde, es lichterte in seinem Geäug!

Ich sagte zu ihm: Ich will dich der Obrigkeit schmackhaft machen, panieren in guten Worten.

Ich war Zeuge! Zum Lohne wollte er dir die Hälfte seines Preisgelds geben.

Akkurat zersägt!

Egner liebt es, Honorare zu zersägen!

Vor Publikum, auf Eis und Asphalt!

Er gab uns das Große Buch vom Stromschlauch, wo sein Leben bis ins Mark hinein vorhergesagt war!

Wir schrieben alles ab und trugen es hier vor.

Mag sein, zwei, drei Fehler können sich eingeschlichen haben! Das ist nur menschlich.

Runde Zahlen!

Doch wir erkennen sein Leben als vollständig an!

Er hat gut gelebt! Und soll's noch weitertun, wenn ihr's erlaubt.

Obrigkeit! Erhöre ihn!

Homo sapiens, du närrischer Aff!

Fräst sein Antlitz in die Gebirge!

Ätzt es auf Münzen!

Lasert es in den Staub des Trabanten!

Lasst Schulkinder seinen Namen singen!

Lasst Geistwesen sein Telefon besprechen!

Oh Obrigkeit, du Donnerwort! Gebt ihm Laboranten und Assistenzen. Und ein Büro in der Göttinger Wurstfabrik.

Er soll nicht darben, kein Haar sollt ihr ihm krümmen, es sei denn, er wünscht es.

Lasst ihn den großen deutschen Glühbirnenroman schreiben!

Und stellt ihm den Strom ab, wenn ihr den Saal verlässt.

Seht unter eurem Stuhl nach, ob dort noch Strom ist.

Gebt seinem Hund ein Ersatzfell!

Und lasst ihn danach für immer in Ruhe!

Er hasst Menschen wie euch!

Auf immerdar!

Jetzt laufen wir weg.

Das Büffet ist eröffnet!

Die Torte zerschnitten!

Danke Claudius!

Danke Gabi.

Danke Eugen!

Du freust dich ja gar nicht!

Mensch, freu dich doch!

Exeunt.

((Beide laufen überstürzt davon))

Zur Oberbürgermeisterin:
Bist du die Königin?

Statt Danke:
Es ist ein Geld entsprungen!